St. Josef Einbeck - St. Michael Dassel

 

 

 

 

Nachruf

 Pfarrer Ewald Marschler

 Die katholische Pfarrgemeinde St. Josef Einbeck und Dassel trauert um ihren langjährigen Pfarrer Ewald Marschler, der am 12. August 2022 in seinem 72. Lebensjahr plötzlich und unerwartet verstorben ist – nur wenige Wochen vor seinem Eintritt in den wohlverdienten Ruhestand.

Pfarrer Marschler wurde am 5. Januar 1951 in Kerpen im Rheinland geboren. Nach einer mehrjährigen Tätigkeit als Einzelhandelskaufmann nahm er 1976 das Studium der katholischen Theologie auf. Am 16. Juni 1984 wurde er von Bischof Josef Homeyer in Hildesheim zum Priester geweiht. Nach dem Ende seiner Kaplanzeit, die er in Duderstadt und Hamburg-Harburg verbrachte, kam er 1990, im Jahr der Wiedervereinigung Deutschlands, nach Einbeck als Pfarrer der damaligen Pfarrei St. Josef. 1992 wurde er zusätzlich zum Pfarrverwalter der Pfarrei St. Michael in Dassel ernannt. 2004 übernahm Pfarrer Marschler die Leitung der neu gegründeten Pfarrei St. Josef Einbeck und Dassel, zu der bis vor Kurzem auch der Kirchstandort Markoldendorf gehörte. Seit April 2018 war er zusätzlich als Priester, Pfarrverwalter und Vorsitzender des Pastoralrates für die Gemeinde St. Konrad in Uslar verantwortlich.

Auf Dekanatsebene war Pfarrer Marschler außerdem als Dekanatsjugendseelsorger und als stellvertretender Dechant tätig. Zu seinen zahlreichen Aufgaben zählte darüber hinaus die Zirkus- und Schaustellerseelsorge im Bereich Niedersachsen.

Für den 3. Oktober dieses Jahres war für Pfarrer Marschler die offizielle Verabschiedung in den Ruhestand geplant. Zeitgleich mit seinem Amt als Gemeindepfarrer ist nun auch sein irdisches Leben zu Ende gegangen.

Über 32 lange Jahre hat Pfarrer Ewald Marschler seinen priesterlichen Dienst in St. Josef verrichtet, die Gemeinde geleitet, ihr religiöses Leben geprägt und ihr in der Öffentlichkeit ein unverwechselbares Gesicht verliehen.

Neben seinem seelsorglichen Dienst hat Pfarrer Marschler durch sein caritatives Engagement Spuren hinterlassen. Dabei hat er die Not der Menschen vor Ort und weltweit gleichermaßen im Blick gehabt. Seine langjährige und aktive Förderung der Sternsingeraktion ist dafür ein überzeugendes Beispiel. Auch wenn er das niemals öffentlich kundgetan hat: in seinen 32 Dienstjahren in Einbeck hat er für dieses christliche Hilfswerk mit seinen überkonfessionell organisierten Sternsingern mehr als 500.000 EURO gesammelt.

Unvergessen bleiben wird auch das Engagement von Pfarrer Marschler für die Einbecker Tafel, die er gemeinsam mit Thomas Döhrel und Marco Spindler Ende 2007 auf den Weg gebracht hat. Sie war ihm zeitlebens ein besonderes persönliches Anliegen. Das verdeutlicht nicht zuletzt die Tatsache, dass in seiner Todesanzeige im Sinne des Verstorbenen u.a. um eine Spende für die Einbecker Tafel gebeten wird.

Eine besondere Herzensangelegenheit waren Pfarrer Marschler auch die jährlichen Pilgerfahrten in die Ewige Stadt, zu der er nicht nur Mitglieder der St. Josefs Gemeinde einlud. Im Rahmen des von ihm mit großer Sorgfalt vorbereiteten Besuchsprogramms hatten die Reiseteilnehmer die Gelegenheit, das christliche und antike Rom kennenzulernen und an Papstaudienzen teilzunehmen. Für alle Teilnehmer waren diese Pilgerfahrten wohl unvergessliche spirituelle und kulturelle Erlebnisse.

Als gebürtiger Rheinländer war Pfarrer Marschler generell kein Kind von Traurigkeit, sondern, vor allem zur Karnevalszeit, eine ausgesprochene Frohnatur. Zwischen Sylvester und Aschermittwoch konnte es schon passieren, dass Gemeindemitglieder etwas länger auf einen Rücksprachetermin mit ihm warten mussten.

Auch besaß Pfarrer Marschler einen besonderen Sinn für Humor. So schien es ihm offenbar ein spezielles Vergnügen gewesen zu sein, bei einer Papstaudienz dem bayrischen Papst Benedikt als Gastgeschenk ausgerechnet Einbecker Bockbier zu überreichen.

Für seine Sekretärinnen und die Gremienmitglieder war die Zusammenarbeit mit Ewald Marschler indes nicht immer ganz einfach. Seine gelegentlichen Anfälle rheinischer Derbheit waren durchaus gewöhnungsbedürftig. Aber auch dann, wenn es hin und wieder kontroverse Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten gab, war es den Betroffenen doch kaum möglich, dem Rheinländer Ewald Marschler längere Zeit gram zu sein.

Pfarrer Ewald Marschler hat sich um die katholische Pfarrgemeinde St. Josef Einbeck und Dassel verdient gemacht.

Am 19. August ist er im Rahmen eines würdevollen Requiems in St. Josef, gefeiert vom Hildesheimer Bischof Dr. Heiner Wilmer, von Dechant Andreas Pape und Pfarrer Franz Kurth, verabschiedet worden. Für die äußerst treffende Trauerpredigt, gehalten vom langjährigen Amtsbruder Kurth, gab es spontanen Applaus der Besucher, die eben noch die Tränen weggeblinzelt hatten: Weckte sie doch viele persönliche Erinnerungen an Pfarrer Marschlers Wirken und ließ sie erahnen. was die Gemeinde und viele Wegbegleiter künftig vermissen werden.

In wertschätzender Dankbarkeit nimmt die Gemeinde Abschied von ihm und wird ihn in ehrender Erinnerung bewahren. Möge er in Gottes Frieden für immer geborgen sein.

 

Dr. Alois Kühn

Vorsitzender des Pfarrgemeinderates St. Josef Einbeck und Dassel

 

 

 

Pfarrkirche St. Josef, Einbeck

Kirche St. Michael, Dassel