Geschichte

Eine junge Gemeinde mit alten Wurzeln

Am 1. August 2004 wurde die neue Pfarrgemeinde St. Josef Einbeck und Dassel gegründet. Dies geschah im Rahmen der Eckpunkte 2010 des Bistums Hildesheim. Die neue Gemeinde wächst auf alten, fest in den Boden gegründeten Wurzeln. Sie entstand aus den Gemeinden der Seelsorgeeinheit: Einbeck – Dassel – Markoldendorf, die als Seelsorgeeinheit seit dem Jahr 1992 zusammengehörten.

Die älteste der Gemeinden der Seelsorgeeinheit und damit auch der neuen Pfarrgemeinde ist St. Michael Dassel. Der Kirchbau stammt aus dem Jahr 1847, jedoch gehen die Ursprünge der Gemeinde in das frühe Mittelalter zurück. Nach dem Augsburger Religionsfrieden wurden dem Bischof von Hildesheim seine Besitztümer in der Gemarkung Dassel wieder zugesprochen. So entstand das Amt Dassel, dessen Verwaltungsbeamte aus dem Westfälischen kamen. In einer kleinen Kapelle in Hunnesrück wurden bis 1847 die Gottesdienste gefeiert.

Die Gemeinde St. Josef in Einbeck wurde im Jahre 1858 gegründet. Damals wurde Einbeck Garnisonsstadt. Damit die Soldaten und ihre Angehörigen, die zu 50% Katholiken waren, die Möglichkeit hatten, vor Ort den Gottesdienst zu besuchen, wurde eine Missionsstation gegründet. Im Jahre 1873 wurde eine Kapelle in der Hohen Münsterstraße gebaut. Der Raum dient heute als Pfarrheim. Am 6. Juni 1894 wurde der Grundstein für die im Neuromanischen Stil erbaute St. Josefskirche gelegt. Die Weihe der Kirche erfolgte am 10. August 1895.

Bis zum Ende des 2. Weltkriegs hatte die Gemeinde ca. 350 Gemeindemitglieder. Durch die heimatvertrieben erhöhte sich die Zahl der Gemeindemitglieder im Jahr 1946 auf über 7.000 Personen. Wobei viele davon in den Folgejahren ins Ruhrgebiet weiterzogen, weil dort schon damals mehr Arbeitsplätze vorhanden waren. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Riehler Heimstädten (bis heute ein großes Alten und Pflegeheim Köln-Riehl) wegen der Bombardierungen evakuiert. In Dassel und Markoldendorf fanden die Evakuierten Unterkunft. Da sich in Markoldendorf keine katholische Gemeinde befand, wurden die Senioren von Ordensfrauen und einem Kaplan betreut.

Auch in Markoldendorf "strandeten" viele Heimatvertriebene, so kam es dort zur Gründung der Pfarrvikarie Heilig Geist , die zur Pfarrgemeinde St. Michael in Dassel gehörte. Nachdem die Gottesdienste zuerst in einem Gasthaus, später in der Marienkapelle gefeiert wurden, konnte im Jahr 1967 eine Fertigbaukirche erstellt werden, die dem Heiligen Geist geweiht ist.

Die Seelsorger der Gemeinde

  • 1859 Theodor Breitenbach
  • 1864 Anton Engelhardt
  • 1868 Anton Wippermann
  • 1869 Vikar Bode
  • 1891 Georg Lehne
  • 1930 Karl Saenger
  • 1948 Georg Marx
  • 1980 Peter Pichelmeier
  • ab 1990 Ewald Marschler

Ab 1948 bis 1975 wurde die Seelsorgearbeit durch verschiedene Kapläne unterstützt. Besonders in der Jugendarbeit zeigten sich positive Auswirkungen, die teilweise bis heute Früchte tragen.

Folgende Kapläne wirkten in der Gemeinde: Erich Wagner, Franz Kleinert, Karl-Heinz Rosenthal, Klaus Bette, Wilhelm Lipp, Norbert Blankenburg, Karl Ludwig Kellermann, Helmut Neuhausen und Alfons Berger.

Auch einige Gemeindereferentinnen unterstützten die Seelsorge in unserer Gemeinde: Editha Berghof, Lucia Kloss, Erika Ballasch (Schmidt) und Christel Rumohr.

Die Wurzeln

Die Wurzel unserer Gemeinde waren seit der Reformation verdeckt, erst ab 1859 begann neues Leben. Damals wurde Einbeck Garnisonsstadt und damit kamen wieder Katholiken z. B. aus Hannover -  dem damaligen Königreich Hannover und aus Hessen – und fanden religiöse Heimat in der Gemeinde St. Josef.

1895 wurde die Pfarrkirche St. Josef  eingeweiht.

Anfang des vergangenen Jahrhunderts kamen viele Landarbeiterinnen aus Schlesien und Polen. Etliche „Rübenschwalben“, wie sie sich selber nannten, fanden hier die Liebe ihres Lebens, und blieben in Einbeck, viele davon gehörten zu unserer Gemeinde. 

Kriegs- und Nachkriegszeit

In den Jahren des 2. Weltkriegs kamen Ausgebombte und Evakuierte aus dem Rheinland und fanden hier Zuflucht.

Zu Kriegsende hatte die Gemeinde ca. 450 Mitglieder.

Aber schon im Jahr 1946 wuchs sie erheblich durch viele Heimatvertriebenen vor allem aus Schlesien, zeitweilig auf über 7.500. Anfangs wurde in vielen Ortsteilen der  Stadt Einbeck, vom damaligen Kreisvikar und späterem Pfarrer Georg Marx die sonntägliche Messe gefeiert und nach und nach die vereinzelten Gemeindeteile zur St. Josef Gemeinde Einbeck zusammengeführt.  

In Sülbeck wurde eine Kapellengemeinde gegründet und von Pater Buchta geleitet. Die Gottesdienste wurden in einem Gaststättensaal, der als Kapelle  eingerichtet war gefeiert. Pater Buchta war ebenso Seelsorger für Dörrigsen und die umliegenden Dörfer.

Ab Mitte der 50er Jahre verließen wieder viele Heimatvertriebenen Einbeck weil in anderen Gegenden Deutschlands eher Arbeit zu finden war. Und damit setzte der Schrumpfungsprozess der Gemeinde ein, auf heute 3.200 Mitglieder (mit Dassel und Markoldendorf).

Primizen in unserer Gemeinde

Nach dem 2. Weltkrieg bis 1994 konnte unsere Gemeinde mehrere Primizen feiern, 3 Ordenspriester Alfons Stasch, Pater Hans Weyer SJ, Abtpräsis Bernhard Thebes Socist. Und als Weltpriester, Ulrich Patzelt, Wolfgang Patzelt, Bernhard Kügler, Werner Schreer (heute Prälat und Generalvikar in Hildesheim) und Klaus Jendrysik. Viele der Primizianten waren Ministranten in unserer Gemeinde. 

Auch eine Reihe Ordensschwestern stammen aus der Gemeinde.

Gruppen in der Gemeinde

Schon im Jahr 1946 wurde die Katholische Jugend Einbeck (KJE) gegründet. Bis heute führt sie ein Pfingstzeltlager unter großer Beteiligung durch.

Ebenso 1946 wurde der Kirchenchor ins Leben gerufen.

Eine Gruppe Mädchengruppe aus damaliger Zeit, ist bis heute als Frauengruppe aktiv.

Die Pfadfinder-Gruppe (DPSG) wurde am Georgstag 1949 gegründet und bestanden bis in die 60er Jahre.

Im Jahr 1958 wurde die Kolpingfamilie aus der Taufe gehoben und erfreut sich bis heute bester Gesundheit.

Im gleichen Jahr wurden die Sternsinger in der Gemeinde aktiv, die ab 1991 an jeweils 10 Tagen die Familien und Firmen besuchen und mit dem gespendeten Geld jeweils eine eigenes Projekt des Kindermissionswerks unterstützen.

1972 gründeten jüngere Frauen eine beständige Gruppe, den Kreis 72 und in den 90er Jahren wurde eine Pax Christi Gruppe ins Leben gerufen, die hilft den Blick in die weite Welt zu richten.

Internationalität der Gemeinde

In den 60er Jahren kamen die ersten "Gastarbeiter" in unsere Gemeinde. Bis zum Jahr 2000 hatten unsere portugiesischen und italienischen Gemeindemitglieder jeweils noch einen eigenen Seelsorger, der regelmäßig in ihrer Muttersprache Gottesdienste mit ihnen feierte.

In unserer Gemeinde leben heute Christinnen und Christen aus 4 Kontinenten und 34 Nationen. Im Jahr 2004 wurde die bisherige Seelsorgeeinheit Einbeck-Dassel-Markoldendorf, zur neuen Gemeinde St. Josef Einbeck und Dassel zusammengeführt.

 

Feste und Feiern

Seit den 40er Jahren trafen sich Gemeindemitglieder, um "Fasching" zu feiern. Anfangs getrennt für Jugendliche und Erwachsenen.  Manche Ehe, die bis heute Bestand hat, fand ihre zarten Anfänge bei solchen Festen. Später entwickelte sich unter rheinischem Einfluss daraus das karnevalistische Gemeindefest. Zusammen mit den Wohlfahrtsverbänden wird schon seit 11 Jahren am folgenden Tag Seniorenkarneval gefeiert.

Partnerschaften 

Seit der politischen Wende, also ab 1990, pflegen wir eine Partnerschaft mit der Gemeinde St. Bonifatius Artern und Roßleben in Thüringen. Fast jedes Jahr haben wir seitdem am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, abwechselt besucht. Ziele waren: der Hülfensberg, Artern, Roßleben, Magdeburg, Heiligenstadt, Erfurt, und Weimar, Bad Gandersheim, Hildesheim, Duderstadt.

Auch mit der Gemeinde St. Leu und St. Gilles in Thiais, Frankreich und der gemeinsamen Unterstützung eines Kinderdorfes in Aina, Madagaskar hatten wir über viele Jahre Austausch. Leider heute nicht mehr. 

Besondere Ereignisse

Rundfunkgottesdienste

In den 50-er Jahren wurden mehrere Rundfunkgottesdienste aus der St. Josefkirche übertragen. Pastor Georg Marx war liturgisch sehr interessiert und gebildet und konnte als Mitglied der Liturgiekommission des Bistums die nötigen Kontakte schaffen.

Weltjugendtagskreuz

Am 28. Juni 2004 machte das Weltjugendtagskreuz Station in unserer Gemeinde. Nach einem ökumenischen. Gottesdienst in der Marktgemeinde St. Jacobi trugen Pastor Martin Giering und Pfarrer Ewald Marschler als erste das Kreuz über den mit Fahnen geschmückten Marktplatz. Der Kreuzweg endete in St. Josef. Nach einer Stärkung feierten die Teilnehmer einen Taiz é gottesdienst im Kerzenschein. Eine Plakette erinnert heute noch in beiden Kirchen an dieses Ereignis 

Aktion 72 Stunden Besser jetzt

Im vergangen Jahr in der Zeit vom 18. bis 20. April nahmen 32 Jugendliche unserer Gemeinde und unserer Schwestergemeinden zusammen mit Pfarrer Ewald Marschler an der bistumsweiten Sozial-aktion teil. Dabei wurden die Räume der Einbecker Tafel und der Kleiderkammer renoviert und  nötige Tische zum Lagern der Ware  und Arbeitstische  für die Einbecker Tafel erstellt, eine gelungene Aktion, die im kommenden Jahr wiederholt werden soll.

Gelebte Ökumene 

Schon in der Zeit von Pastor Georg Marx wurde ein freundschaftliches Verhältnis zu den evangelischen Schwestergemeinden in Einbeck gepflegt. Heute ist es selbstverständlich, dass wir gemeinsame Gottesdienste feiern und gemeinsam die ACKE bilden, die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Einnbeck. Seit dem Jahr 1991 gehört der oekumenische Festgottesdienst am Pfingstmontag  zum "normalen Ablauf" im Kirchenjahr. Gastfreundschaft dürfen wir am Fronleichnamstag genießen und den Festgottesdienst in der Münsterkirche feiern. Aus diesem geschwisterlichen Miteinander entstand im vergangenen Jahr die Einbecker Tafel in ökumenischer Trägerschaft zwischen der Münstergemeinde und unserer Gemeinde.